Aufruf: Warum alte und seltene Nutztierrassen erhalten?

Buntes Bentheimer Schwein

 

I. Kulturelle Dimension

Alte Nutztierrassen haben den Menschen über einen langen Zeitraum begleitet und zu seiner kulturellen Entwicklung wesentlich beigetragen.

Aus im wesentlichen 14 Wildtierarten hat der Mensch im Laufe der Jahrtausende eine große Vielzahl von Nutztierrassen (n = 6379) gezüchtet – dies ist eine enorme Kulturleistung. Die domestizierten Tiere wurden durch die Menschen an die jeweiligen Regionen der Erde angepasst (autochthone Arten) und sie prägen die kulturelle Identität der Menschen. Die Vielfalt der Nutztiere ist somit ein wichtiges Kulturgut.

Die Entwicklungsgeschichte des Menschen ist eng mit der Evolution der Nutztiere verknüpft. Die Domestikation gilt als maßgeblich für die Entwicklung vieler Kultur und Zivilisationsleistungen.

II. Ökologische Dimension

Viele Nutztierrassen sind bedroht. Sie müssen geschützt werden.

Mit dem Aktionsplan zur Erhaltung der Biodiversität „Stopp den Verlust an Biodiversität 2010″ haben sich Staats- und Regierungschefs der EU verpflichtet, den Verlust der biologischen Vielfalt in der EU bis 2010 zu stoppen. Alte Nutztierrassen sind in ihrer Biodiversität europa- und weltweit gefährdet. Mit dem Verlust ihrer Vielfalt verschwinden auch wichtige genetische Ressourcen. Um dem Verlust der Biodiversität alter Nutztierrassen Einhalt zu gebieten, sind verstärkt Informations- und Bildungsprogramme notwendig, die für das Thema sensibilisieren.

Dabei wird die Erhaltung aller Nutztierrassen insofern als Beitrag zur Umweltentlastung verstanden, als daß die Haltung dieser robusten Rassen in Freiland- oder Semifreilandhaltung grundsätzlich umweltverträglicher ist, und die Tiere als Landschaftspfleger einen wichtigen Beitrag liefern.

III. Agrarpolitische Dimension

Die Hauptgefahren für alte und seltene Nutztierrassen sind der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die Konzentration auf wenige Hochleistungsrassen.

Eine große Anzahl an Nutztierrassen sichert die Nahrungsproduktion weltweit. Der Verlust von Nutztierrassen bedeutet einen Verlust von Biodiversität im Bereich Ernährung und Landwirtschaft. Dieser drohende Verlust von Agrobiodiversität verringert die genetische Vielfalt in der Landwirtschaft.

Die genetische Vielfalt zu erhalten ist wichtig um für veränderte Produktionsveränderungen, Umweltbedingungen, Bewirtschaftungsmethoden Alternativen zu haben. Diese Entwicklung ist besonders kritisch im Bereich der Zucht anzusehen.

IV. Tierschutzrechtliche Dimension

Der Erhalt alter und seltener Nutztierrassen ist ein Beitrag zum Tierschutz.

Alte Nutztierrassen sind nach Zuchtzielen entstanden die unter anderem auch auf lange Lebensleistung und Robustheit zielten. Diese Tiere sind weniger anfällig für Krankheiten und Streß. Im Gegensatz dazu wurden die heutigen Hochleistungsrassen oft einseitig auf hohe Milchleistung, hohe Mastleistung oder andere Leistungsmerkmale gezüchtet – andere Zuchtziele wurden vernachlässigt.

Das Ergebnis sind empfindliche, krankheitsanfällige Tiere, die oft eine sehr geringe Lebensleistung haben.

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