Schafgeschichten aus der Arche Warder

Tiroler Steinschaf

„Oh was ist das denn für ein Tier?“, „Ist das ein Lama?“, solche und ähnliche Ausrufe bekommt das Team der Arche Warder oft zu hören, wenn es mit den Tiroler Steinschafen auftaucht.

Diese stattlichen Schafe mit den lustigen Hängeohren und dem markanten Wollschopf erfüllen sogar nicht die übliche Vorstellung von kleinen, weißen Schafen. Das Fell der Tiroler Steinschafe kommt in allen Grau- und Brauntönen vor. Steinschafe sind sehr groß und ein ausgewachsener Bock kann bis zu 100 kg auf die Waage bringen. Die großen Tiere sind dabei ausgesprochen menschenfreundlich und neugierig. Ähnlich wie große Hunde lassen sie sich so leicht nicht aus der Ruhe bringen. Gerade deswegen nehmen die Tierpfleger sie gerne mit, wenn es gilt die Arche Warder zu präsentieren. Auf Sommerfesten oder anderen Veranstaltungen außerhalb der Arche Warder wird dann ein mobiles Gatter aufgebaut und die Tiroler Steinschafe sind garantiert schon bald von Menschen umringt. „Ist das ein Schaf??!!“, tönt es dann.

Berühmt sind die Tiroler Steinschafe auch für ihre Eskapaden. Diese Charakterschafe haben wirklich schon für jede Menge Gesprächsstoff gesorgt. Nicht alle Schafe haben in der Arche Warder einen Namen, doch die Tiroler Steinschafe haben es fast alle zu einem Namen gebracht. Allen voran „Bärchen“. Die Tiroler Steinschaf- Dame mit dem namensgebenden braunen Haarschopf auf der Stirn ist bekannt für ihren starken Willen. Schafe lieben eine Rangfolge in ihrer Herde. Einer ist der Chef und die anderen folgen hinterher – der Herdentrieb eben. Natürlich ist die selbstbewußte „Bärchen“ die Chefin bei den Tiroler Steinschafdamen. Es genügt sie an ihrem Halsband zu führen und der Rest der Schafherde läuft hinterher.

Da Tiroler Steinschafe direkte Nachfahren des bereits ausgestorbenen jungsteinzeitlichen Torfschaf sind, welches vor 5.000 Jahren lebte, passen sie perfekt in die Steinzeit-Siedlung des Tierparks. Das denken sich zumindest die Menschen – die Steinschafe haben da so ihre eigenen Vorstellungen… wie folgende Begebenheit zeigt.

Der Steinschafbock „Toni“ war von den Tierpflegern gemeinsam mit seinen Steinschaf-Damen „Bärchen“ und „Zippe“ mal wieder in die Steinzeitsiedlung gebracht worden. Nachdem der erste Grashunger gestillt war, langweilten sich die Schafe wohl etwas. Denn „Toni“ probierte seine Sprungkraft aus und stellte fest, daß der rund 1,50 m hohe Weidenflechtzaun kein ernsthaftes Hindernis für ihn darstellte. Fortan spazierte er also immer mal wieder in der Steinzeitsiedlung umher. Bis zu dem Tag, als eine erschreckte Besucherin an der Kasse berichtete, daß ein riesiger Schafsbock frei in der Steinzeitsiedlung umherliefe. Die Besucherin hatte eine, bei Schafen beliebte, Tierfuttertüte an der Kasse erstanden und bei sich gehabt. Und „Toni“ hatte anscheinend nicht verstehen können, warum er nicht den gesamten Inhalt dieser Köstlichkeit bekommen sollte und war der Besucherin hinterhergelaufen. Vermutlich hatte es sich „Toni“ auch nicht nehmen lassen, die Besucherin ein paar Mal aufmunternd anzuschupsen. Jedenfalls war „Toni“ von da an nicht mehr für den „Dienst“ in der Steinzeit-Siedlung vorgesehen. Er blieb also im Stall und seine Damen sollten alleine im Steinzeit-Schafpferch den Tag verbringen.
Die beiden Steinschafe waren aber gerade mal eine ¼ Stunde nach dem eine Tierpflegerin die beiden in den steinzeitlichen Pferch gebracht hatte, wieder laut blökend unten im Stall angekommen. Dem Beispiel ihres Bockes folgend, sprangen sie kaum, daß die Rücklichter des Schafanhängers, der die beiden Schafe in die Steinzeit gebracht hatte, um die nächste Kurve verschwunden waren, über den Zaun und liefen zurück zum Stall. Dort wurden sie von „Toni“ mit begeistertem Blöken begrüßt. Die Tierpfleger konnten sich nur verwirrt die Augen reiben, wie schnell die Schafe es geschafft hatten: „Die waren doch eben noch im Steinzeit-Pferch!?“

Stars bei Karl May

“Toni” & Co waren auch mit dabei als das Team von Karl May für ihre Inszenierung Tiere suchte. Die Komparsen staunten nicht schlecht, als sie diese kräftigen Schafe das erste Mal sahen. Doch bald gewöhnten sich Tier und Mensch aneinander und die großen Steinschafe hatten den Vorteil, dass man sie auch von den hintersten Rängen sehr gut sehen konnte.

Steinschafbock „Toni“ sorgte auch ein weiteres Mal für eine Schafgeschichte. Anläßlich eines Vortrages war der an den Streichelhof angrenzende Seminarraum hübsch dekoriert worden. Weiße Tischdecken mit Blumengestecken sorgten für eine hübsche Atmosphäre und eine Glasvase mit Sonnenblumen stand vor der Eingangstür. Es ging um das Thema „Haben Tiere eine Seele“ und ein aus Münster angereister Theologe sprach und brachte Bibelzitate. Rund 30 Zuhörer, meist um die 60 Jahre hingen gebannt an seinen Lippen. Da wurde sein Vortrag durch ein Klirren und Scheppern wüst unterbrochen! Alle Blicke fuhren herum und erblickten einen großen, grauen Schatten – der gerade genüßlich an einer Blume fraß und sich von dem riesigen Scherbenhaufen und der Wasserpfütze kein bißchen stören lies. „Toni“ hatte die köstlich riechenden Blumen vom Streichelhof her, die ganze Zeit vor der Nase gehabt. Und nutzte die Zeit, da ihn niemand beachtet, so lange an der Eingangspforte zum Streichelgehege herumzunesteln bis er die Tür aufbekam und er sich Richtung Glasvase aufmachen konnte. Mit dem ersten gierigen rupfen an der Sonnenblume brachte er die gesamte Glasvase zum Umfallen. Natürlich sprangen nun die Tierpfleger auf, fingen „Toni“ wieder ein, wischten Scherben und Wasser auf und holten für die Blumen einen Eimer mit frischem Wasser.

Der Vortrag wurde unterbrochen und die Gäste nutzten die Gelegenheit um frische Luft zu schnappen. Dabei fiel auch für den inzwischen wieder eingefangenen „Toni“ im Streichelhof die eine oder andere Streicheleinheit an. Als alles wieder aufgeräumt war, wurden die Reste der lädierten Blumen in ihrem Eimer lieber direkt ins Streichelgehege gestellt, schließlich sollte der geistvolle Vortrag nicht ein weiteres Mal gestört werden. Das war nicht ganz im Sinne von „Toni“ denn hier mußte er sich mit den gefräßigen Ziegen um die bunten Leckerbissen beulen. Trotzdem bekam er sicherlich seinen Teil.

Das gemütliche und ruhige Temperament der Steinschafe schätzen übrigens auch ihre Artgenossen, die anderen Schafrassen aus der Arche Warder. Im Frühjahr, wenn viele der Mutterschafe lammen, werden in der Arche Warder spezielle Boxen eingerichtet, in der mehrere Schafe mit ihrem Nachwuchs zusammen untergebracht sind. Lämmerkindergarten heißen diese Boxen dann. Wie eine richtige Kindergartentante verhielt sich dabei „Zippe“.
Sie sorgte sich nicht nur hingebungsvoll um ihre eigenen schwarzen Lämmer sondern ließ auch noch die Lämmer anderer Rassen auf ihrem breiten, wolligen Rücken rasten. So weich und geborgen nutzen nicht wenige Lämmchen den grauen, wolligen Fellberg, der sich ihnen da anbot für eine ausgiebige Siesta.

Auch wenn natürlich alle vierzehn Schafrassen der Arche Warder ihre Besonderheiten und Vorzüge haben, die heimlichen Favoriten sind für viele die Tiroler Steinschafe.

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